Candelilla

Candelilla

Die Band Candelilla hat ihren Namen von der gleichnamigen Pflanze. we dance each day and we let beetles crawl over our hands and we don`t care about breaking rules “12”

Zahlen erzählen viel. Es fängt mit der Eins an. Das erste Album. Die erste richtig große Nummer von vier Musikerinnen nach drei Wochen im Studio, nach zwei Jahren gemeinsamer Bandgeschichte, nach vier jungen Leben für Kunst und Musik. Die Eins war ein Kampf für Candelilla: gegen das Wasser, das in den Probenraum im Münchner Subkulturzentrum Glockenbachwerkstatt sickert; gegen launische Lautsprecher; gegen die Leere in der Bandkasse; gegen die Regeln des Pop-Systems. „Wir wären fast ausgerastet“, sagen Candelilla, „wir wollten ernst genommen werden, fanden aber kein Label. Wir wollten nicht die Kellerband sein, die selber eine CD aufnimmt. Es sollte perfekt werden.“ Also, raus aus dem Keller, rein in eine Mühle. Dort, in der Natur, gingen sie in Klausur, kämpften mit Brennholz vor der Hütte, mit der teuer gemieteten Technik, mit der Produktion (bei der Martin M. Hermann und Enzo Faltin zur Seite standen), mit ihren Ansprüchen, mit sich selbst und miteinander. Dass Candelilla die Schlacht auf ganzer Linie spielerisch gewannen und damit auch Bernd Hofmann und sein Label Red Can Records, hat vier gute Gründe:

Lina Seybold, Gitarre und Gesang

Rita Argauer, Klavier und Gesang

Mira Mann, Bass und Gesang

Sandra Hilpold Schlagzeug

“reasonreasonreasonreason” haben die famosen Vier in aller Dringlichkeit Album eins genannt (dessen Hüllen sie kunst- und liebevoll von Hand gesiebdruckt, gestanzt, gefaltet und geklebt haben). „mussmussmussmuss“ hätte auch gepasst. Oder ein bisschen „oléoloéoléolé“ – im Bauch fühlt es sich wie eine Partyplatte an. Candelilla haben das „Disko“-Schild über sich angeknipst (im Sinne von Gossip oder You say party we say die). „Wir flirten mit dem sexy, sexy Beat“, verkünden sie, die sich zuletzt über ihre vielen ausflippenden Konzertbesucher wunderten: „Boah, die tanzen ja!“ Den Beat haben sie importiert aus dem Technoland der geraden Zahlen in ihr Rockreich voller Brecht/Weillscher Theatralik, Störaktionen und gelegentlichen Schönklangs („Da muss der Hörer jetzt durch“). So auch in der Single „13“: Sandra Hilpold treibt an den Drums alles voran, Mira Manns Bass hält hart Schritt, Lina Seybolds Gitarre hat Drive, selbst Rita Argauers Piano und der (Sprech-) Gesang aus drei Kehlen tanzen auf den Schlägen. Zwölf Titel, voll auf die Zwölf.

Das erlaubt Auswüchse bei den Texten. Auf Englisch gesungen und auf Deutsch gesprochen oder hinausgeschrien, sind ein Zeugnis von einem “Kampf mit dem, was andere schon gesagt haben”, vom „Kampf mit den Phrasen”. Diese “purzeln” durch die Songs, wie die “Krokodile aus der Tasche” in Song „19“. Eine Wort-Armee greift von vorne, von hinten, von kreuz und quer aus allen Liedern an: Faust in die Luft – Goldstaub – it fucks my mind – my mind beats back – gestern war der Tod noch mein Freund – hit and run – Hupsignal! – Ist es Wut, ist es Hass – devine, depart, devide – Multiversum – emotional overkill . . . Das bietet keine Angriffsfläche für den Verstand und soll kein Lebensgefühl befeuern. „Candelilla verschließen sich der Vermarktung durch ein Identifikationspotezial”, sagen sie.

Auch mit den Song-Titeln ließen sich kaum Fan-Shirts bedrucken. Mit „1“ und „4“ sind Frühwerke der „Zeitrechnung seit Sandra“, seit der Neuformierung 2007, zu hören, von „11“ bis „19“ ist das aktuelle Schaffen lückelos dokumentiert. Die Zahlen werden streng chronologisch danach vergeben, wann ein Candelilla-Mitglied eine Songidee im Plenum vorstellte. Von da ist die Nummer ein eigenes, unsterbliches Wesen, respektvoll gepflegt und respektlos verformt. „Wie eine Sphinx. Wir schauen sie an und sagen: Was ist es? Wohin soll es gehen. Los, sag`s uns!“ Des Rätsels Lösung, das Reflektieren und Diskutieren, das musikalische und textliche Puzzeln, bis jede einzelne sich voll und ganz mit der Nummer identifizieren kann – das ist Candelilla: Aus vier mach` eins. Eine stilistisch ähnlich gelagerte Band, konnte ich im während eines Kurzurlauben in der Hauptstadt  Berlin erleben. Leider ist ist mir der Name der Band entfallen, so das über diese Band hier kein Bericht erscheinen wird.

Der direkte Link zur Band dieses Artikels www.candelilla.de